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Bordel des Arts DJ Design Interview Mr. Timeless

Interview mit Mr. Timeless

Ich traf den Designer, Zeitveränderer, Türversteher und Dj Mr. Timeless im „Mein Haus am See„, wo man an ihm vorbei muss, wenn die Musik aus dem Keller schallt. Mit dabei: seine spezielle Uhrensammlung.

Ich: Wie kam es zu der Idee alten Uhren neues Leben einzuhauchen und daraus ein zeitloses Schmuckstück zu erschaffen?

Er: Die Idee ist schon 3 Jahre alt. Im letzten Jahr der Bar 25 hatte ich überlegt, was ich mir für ein cooles Accessoire mache. Ich hatte noch eine alte Uhr rumliegen. Da fand ich das Armband und das Gehäuse schön, aber das Innenleben war einfach hässlich. Ich dachte, ich baue es einfach aus und hatte dann nur den Rohling. Das hab ich dann so getragen. Es gefiel mir und ich hab mir noch 2 davon gemacht. Irgendwann ist das aufgefallen und die Leute haben mich drauf angesprochen. In der Bar wollte mir dann einer die Uhr abkaufen. Hat er auch bekommen. Ich dachte dann cool, da muss ich mehr draus machen und hab mir was einfallen lassen. Ich habe für das Closing der Maria den ersten Auftrag bekommen. Es haben alle Mitarbeiter eine Uhr bekommen. In den Rohling kam der Maria Getränkechip. So simpel hat es angefangen. Das hat funktioniert und ich habe Uhren von anderen Clubs gemacht. Und dann kamen eigene Sachen dazu und es wurde immer mehr. Mittlerweile gibt es eine riesige Auswahl. Ich nutze dazu alles was ich finde oder mitgebracht bekomme. Ich mache jede Uhr nur einmal. Wenn die Uhr einem gefällt sollte man also zuschlagen.

Ich: Hey, was hast du da für Uhren dabei? Auf der einen steht „Tal der Verwirrung“, was ist das?

Er: Das war jetzt am Wochenende ein Open Air im Kosmonauten, früher war das immer auf der Insel der Jugend. Jetzt nach 2 Jahren haben sie das mal wieder veranstaltet. Dafür habe ich 10 Uhren gemacht.

Ich: Wo kann man deine Uhren sehen?

Er: Ich mache zum Beispiel auf dem Katermarkt im Kater Holzig einen Stand und im Chalet bei den Bordel des Arts Partys. Der Veranstalter vom Bordel des Arts macht auch die Berliner Ausgabe vom Freshguide. Er hat 3 Monate nach dem Start von Timeless meine Uhren als Produkt des Monats mit ins Heft genommen. Das war total überraschend für mich. Ihm gefiel meine Idee. Demnächst bin ich bei den Festivals „Sonne, Mond und Sterne„, „Helene Beach“, „Plötzlich am Boden“ und „Corsika“. Mittlerweile fragen die Veranstalter, ob ich einen Stand mache. Anfangs war es noch andersherum. Das macht mich stolz. Werbung läuft nur über Facebook, ich habe keinen Shop für die Uhren. Es gibt immer wieder Leute die meinen, dass ich daraus viel mehr machen müsste, aber ich finde es gut wie es läuft und hätte nie gedacht, das ich nach 3 Jahren auf diesen Stand komme. Auch finde ich es schön, dass auch nach dieser Zeit immer neue Leute Timeless entdecken und toll finden. Die Modetrends ändern sich ja heutzutage rasend schnell. Die Uhren laufen auch nach der ganzen Zeit noch. Es ist auch ein gewisser Kick dabei wenn es nicht Jeder einfach so findet.

Ich: Für wenn hast du schon Uhren gemacht?

Er: Für den Kapitän vom Hauptstadtfloß mit einem Anker drin. Jetzt habe ich gerade einen Auftrag für das Berliner Musiklabel „Stil vor Talent“, da gibt es ein Standard Modell in 2 Farben. Das soll auf 100 Stück limitiert sein. 60 sind schon verkauft. Ist eine tolle Möglichkeit meine Idee bekannter zu machen. Ich finde die Verbindung mit der Musik cool und habe mich gefreut, als dieses bekannte Berliner Label bei mir anfragte. Ich fühlte mich echt geehrt und Zusammenarbeit läuft super, da die Leute meine Arbeit schätzen. Auch für die Renate habe ich schon Uhren gemacht und fürs Cabaret sowie für den Kater Holzig, das Chalet und ic! Berlin. Für Icke und Er hab ich auch Uhren gemacht. Neulich war Sven Väth in Berlin da bekam seine Freundin auch eine geschenkt. Sie war total happy und Sven fand sie auch toll und wollte auch eine. Bekam er natürlich. Ich finde es schön wenn solche Musikgrößen sich über meine Werke freuen und sie auch tragen.

Ich: Wie viele Uhren hast du schon mit dem Timeless Look versehen?

Er: So ungefähr 5.000 Stück.

Ich: Wie kam es denn eigentlich zu dem Namen Timeless? 

Er: Der entstand mit dem Uhrenprojekt und passt finde ich super. 

Ich: Hast du dich hingesetzt und überlegt wie nenne ich das jetzt oder wie lief das ab? 

Er: Nein, das war einfach da. Der Name war sofort klar. Erst wollte ich es Zeitlos nennen, aber heutzutage verkauft man ja kein deutsches Produkt mehr. Es muss ja alles englisch klingen. Und schwups die wups hieß es Timeless und das schlägt ein. 

Ich: Was verbindest du mit Timeless? 

Er: Zwei Aspekte standen bei mir im Vordergrund. Der Recyclingaspekt, dass man alte Uhren noch mal verwendet und auch die Sachen die ich einbaue. Materialien, die ich finde oder alte Flyer oder Kleinteile vom Trödelmarkt. Nur bei speziellen Auftragsarbeiten kaufe ich was dazu. Das andere ist frei sein – ohne Zeit leben. Man geht ja heutzutage Freitag weg und kommt erst Montag wieder aus dem Club. Wozu dann eine Uhr, die die Zeit zeigt? Das stört nur! Bleib einfach, sei einfach ohne an die Zeit zu denken. Vergiss die Zeit, denn man hat diese nur einmal. 

Ich: Verstehen das die Käufer der Uhren auch so? 

Er: Ja, es kommen immer wieder welche zu mir und sagen, dass sie jetzt ganz anders durchs Leben gehen und wieder mehr auf Kleinigkeiten achten und das ist ein geiles Gefühl, wenn ich das mit meinem Produkt schaffe. Sowas schaffen sonst nur Pillen oder Ärzte. Deshalb heißt es auch Timeless Arzneimittel auf Facebook. 

Ich: Was machst du eigentlich noch alles? Hatte dich kennengelernt im Chalet an deinem Uhrenstand, nun habe ich dich auf dem Timetable des Hauptstadtflosses erblickt. DJ machst du also auch noch? 

Er: Ja, DJ mach ich auch noch. Ich sag immer, lieber 10 Easy Jobs als einen beschissenen Job, weeste? Schau mal, ich kann mein Geld komplett mit Spaß verdienen. Ich hab derzeit vier Jobs. Hier im Haus am See und im Chalet an der Tür, als Dj und meine Uhren sind auch gefragt. Ach ja, und dann Verkaufe ich ja auch noch Platten. Ich habe einen Onlineshop dafür. Ich hab noch 17.000 Platten, da ich mal einen Plattenladen hatte. 

Ich: Was bekommt man bei dir zu hören? 

Er: Ich spiele nonelektronische zeitlose Musik als Mr. Timeless. Weil elektronisch macht ja jeder und ich will was machen was nicht jeder macht, so wie mit meinen Uhren. Funky Sachen, tanzbar aber auch mal den einen oder anderen Schlager dazwischen. Aber gute Sachen. Ich verändere die Sachen nicht. Die Songs sind so schon geil. Mittlerweile bin ich Resident in der Renate. Ich will den Leuten die Musik näherbringen. Ich finde es geil, wenn die Leute sich für meine Musik öffnen und abgehen dazu. Jetzt am 21. Juni 2013 spiele ich im Crack Bellmer in der Revaler Straße. Da spiele ich gerne. Ist gemacht wie eine alte Scheune. Mein Traum war immer meine Wohnzimmermusik laut zu hören, und das kann ich dadurch. Ich spiele ja meine Musik. Was gibt es geileres. Da kann ich auch gut mit abgehen. Das zieht die Leute auch mit. 

Ich: Wie lange machst du das schon? 

Er: Das mache ich schon länger. Ich komme eigentlich aus der Drum and Bass Schiene. Das Nonelektronische machte ich immer mal nebenbei. Ich hab da Geburtstage mit unterhalten. Als Diskjockey (lacht) die mit ihrem CD Player ankommen. Dann habe ich Playlists für ein paar Leute gemacht, was auch super ankam und ich sollte bei denen spielen. Es ist heutzutage schon schwierig eine Chance zu bekommen als DJ. Bei mir war das anders. Es fing gleich mit dem Kater an. Da warten andere jahrelang. Auch in der Bar 25 konnte ich am Pool spielen. 

Ich: So, hast du zum Schluss noch eine schöne Geschichte auf Lager, die du durch deinen Uhren erlebt hast? 

Er: Ja, neulich erzählte mir Jemand, dass er in Amsterdam mit einer Timeless um den Arm in einer Kneipe an der Bar saß und neben ihm saß einer der auch eine umhatte. Die beiden schauten sich an und hingen dann die ganze Nacht zusammen ab. Mittlerweile sind sie befreundet. Und das nur durch die Uhr.

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